Newsletter AGZ

1. Ausgabe, Februar 2012 

 

Liebe Freunde der Astrologie, liebe Freunde der Astrologischen Gesellschaft Zürich!

Sie erhalten hiermit unseren ersten Newsletter, der Sie über die Veranstaltungen unserer Gesellschaft informiert. Wir wollen das Programm der Astrologischen Gesellschaft Zürich nach und nach auf- und ausbauen – und ebenso diesen Newsletter. Wir freuen uns über Ihr Interesse und sind dankbar für Ihre Unterstützung.


ASTROLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH

Beatrice Ganz

 

Vorträge in der Astrologischen Gesellschaft Zürich

Die Astrologische Gesellschaft Zürich lädt Sie herzlich zu fachastrologischen Vorträgen mit namhaften Schweizer und auswärtigen Referenten ein. Die Vorträge finden jeweils um 19.00 Uhr statt. Ort und Datum finden Sie auf dieser Internetseite. Die Vorträge werden abwechslungsweise in zwei verschiedenen Zunfthäusern und an der Eierbrechtstrasse 68 durchgeführt. Dies sind das Restaurant Elefant sowie die Linde Oberstrasse. Der Eintrittt kostet Fr. 20.-- (Abendkasse).

 

Vortrag 14. März 2012

Wolfgang Somary, Meilen

Ausklang der Oekonomie unter der Uranus-Pluto Konjunktion in der Jungfrau

Restuarant Elefant, Zunftsaal, Witikonerstrasse 279, 8053 Zürich

 

Vortrag 25. April 2012

Beatrice Ganz, Zürich

Eine astrologische Untersuchung über die Entwicklung des Euros und des Schweizer Frankens für die kommenden Jahre

Restuarant Elefant, Zunftsaal, Witikonerstrasse 279, 8053 Zürich

 

Vortrag 16. Mai 2012

Wilfried Schütz, Baden / Schweiz

Astrologie und Gesundheit

Restaurant Linde Oberstrass, Zunftsaal, Universitätsstrasse 91, 8006 Zürich

 

Vortrag 20. Juni 2012

Dr. Christoph Schubert-Weller, Bodman / Bodensee

Geht es dann wieder aufwärts? Mundanastrologische Überlegungen bis 2015 und darüber hinaus.

Restaurant Linde Oberstrass, Zunftsaal, Universitätsstrasse 91, 8006 Zürich. 

 

Wir freuen uns, Sie zum Workshop mit Heidi Treier einladen zu können:

 

Heidi Treier, Köln

Erschaffe dich neu - Wege zur Heilung und Gesundheit

Bitte bringen Sie Ihre Geburtshoroskope auf Folie mit zum Seminar.

12. Mai 2012 "Das Horoskop als Hilfe zur Selbstheilung 1. Teil"

13. Mai 2012 "Das Horoskop als Hilfe zur Selbstheilung 2. Teil (Aufbauseminar)

Das Seminar findet statt im Restaurant Elefant, Witikonerstrasse 279, 8053 Zürich oder an der Eierbrechtstrasse 68, 8053 Zürich.

Kosten: Fr. 145.-- pro Tag.

Zeit: 10.00 - 12.00 / 14.00 bis 17.00 Uhr.

Anmeldung: www.astrologische-gesellschaft.ch

Bezahlung in bar an der Tageskasse. 

 

Der astrologische Haiku - Dr. Christoph Schubert-Weller

 

Der Haiku ist eine traditionelle japanische Gedichtform, in der mit hoch verdichteten Bildern Stimmungen und Gedanken zum Ausdruck gebracht werden. Der traditionelle Haiku ist dreizeilig, mit 5 Silben in der ersten, 7 Silben in der zweiten, und wiederum 5 Silben in der dritten Zeile.

 

In jedem AGZ-Newsletter wollen wir zu einem astrologischen Prinzip einen Haiku veröffentlichen und beginnen mit, wie könnte es bei einem Newsletter anders sein, mit dem Prinzip Merkur.

 

Merkur

Lachen - Weisheit der

Seele und List der Vernunft,

Herzton, lichter Klang.

 

Geschrieben 15.2.2012

für Astrologische Gesellschaft Zürich

 

Was Hermes und Paracelsus mit moderner Ökonomie zu tun haben

- Wolfgang Somary

 

Das Wesen der Welt ist die Ordnung,

das Wesen der Zeit ist die Verwandlung….

Die Wirkung der Welt ist das Aufrichten oder Machen

und das Zerstören oder Brechen,

die Wirkung der Zeit ist das Ab- und Zunehmen.

 

Trismegistos (Das andere Buch Hermetis)

 

Was ist der unsichtbare Mensch anders als das Gestirn selbst,

das in des sichtbaren Menschen Gemüt und Gedanken

verborgen liegt und durch die Imagination des Menschen

sich öffnet.

 

— Paracelsus (Archidoxis magica)

 

Ich laufe umher im Wald, und es fällt auf, wie in der Natur die Proportionen eingehalten werden. Ranunculae, Primeln, Veilchen, Osterglocken, die Blüten der Erdbeeren, Kirschen und Birnen,und später der Wildrosen haben alle fünf gleich grosse Blumenblätter; allein die Anemonen haben ihrer sechs. Betrachten wir die Volkswirtschaft, da gibt es keine gleichmässige Aufteilung: die Ausgaben für Versorgung, Behausung, Bildung, Gesundheitspflege und Rechtswesen sind nicht organisch proportional, sondern von der Mode, dem Druck der Interessenverbände und vom politischen Kalkül abhängig. Das ist keine Kritik, nur eine Feststellung, ein Vergleich der Menschen, die nicht mit, sondern gegen die Natur, bestehen, mit Wesen, die in der Natur verwurzelt sind. In der Sprache der Ökonomie heissen die fünf obigen Begriffe: Konsum, Häuserbau, Erziehung, Kranken- und Alterspflege, und Verteidigung. Und solche Begriffe (im Gegensatz zu meiner Auflistung) harmonisieren nicht miteinander, denn sie sind autonom, abgegrenzt und haben mit der Wirtschaft als Substantiv zu tun, während ich für das wirtschaften als Verbum plädiere. Wie wirtschaften Sie? ist eine Frage, die alle Möglichkeiten, etwas eigenes zu gestalten, offen lässt. Hingegen unterstellt die Frage Was macht die Wirtschaft? wir hätten uns dem Fatum zu fügen und müssen hören, wenn die Alarmglocke läutet.

 

Die Frage: wie versorge ich mich? setzt die Fähigkeit der Selbstversorgung voraus, mindestens zum Teil. Die Frage: wie behause ich mich? setzt die Fähigkeit der eigenen Raumgestaltung voraus, und bezieht sich nicht auf den Umsatz von Beton und Tragbalken. Die Frage: wie bilde ich mich? hat wiederum nichts mit Schulen zu tun hat, sondern mit der Fähigkeit, sich Wissen anzueignen (siehe Ivan Illich — Schulen helfen nicht, Rowohlt 1972). Die Frage: wie pflege ich die Gesundheit? setzt voraus, ich verhalte mich artgerecht und schaffe Gemeinschaft, anstatt mich auf teuere Pharmaka, Spitäler und Altersheime zu verlassen. In seinem Buch As the Future catches You ((Crown Publ, NY 2001) schieltet Juan Enriquez eine baldige Zeit, wo wir, gewappnet mit unserem Genom Chip, Geld für Präventivmassnahmen ausgeben werden, und nur einen Bruchteil davon benötigen um bereits vorentdeckte Erkrankungstendenzen zu therapieren. Was übrigens heisst, dass die Genforschung die kosmologische Lehre der Typologie anerkennt. Die Frage: wie schütze ich mich? hat nichts mit Militärausgaben oder Anwaltskosten zu tun, sondern erstens mit der Unterlassung, sich durch Preisgabe von Autonomie einem Angriff auszusetzen, und zweitens mit der Überwindung der eigenen Trägheit, Servilität, oder Rachsucht. Aber dieses ketzerische Wortspiel ist schädlich für das Bruttosozialprodukt, wertet die unbezahlte Arbeit auf, stellt die Erfindung vieler Bedürfnisse und Institutionalisierung öffentlicher Dienste in Frage,und erschliesst keine Geldquellen.

 

Nach der Lehre von Paracelsus (siehe Archidoxis Magica), ist die Wirksamkeit einer Arznei nicht nur von der Zeitqualität des Einnehmers abhängig, sondern auch von der Qualität der Zeit ihrer Herstellung. Es geht hier nicht um die gleichmässige Heilung oder Vorbeugung von organisch vergleichbaren Symptomen, sondern auch um die Frage: wer hat dieses Symptom, und wann. Die Alchimie der Vorbeugung, der Heilung und des Aufbaus ruht in der Erkenntnis der “unteren” Dinge, etwa der irdischen Zuständen, kombiniert mit der Erkenntnis der “oberen” Dinge, sichtbar im Lauf der Planeten, wessen mikrokosmisches Spiegelbild wir sind. Dieses alte Denkmuster “ so wie oben, so auch unten; so wie aussen, so auch innen”, welches Paracelsus von Heraklitos und Hermes Trismegistos übernahm, entspricht auch der empirischen Beobachtung. Die Kombination der Erkenntnis irdischer Vorgänge mit den himmlischen der Philosophie —in unserem Beispiel der Ökonomie — und mit der anthropozentrischen Astrosophie, ermöglicht alchemische Wandlungen im Rahmen eines göttlichen (sprich einswerdenden) Weltbildes.

 

Übertragen auf den Leib der Ökonomie, heisst es: ein Unternehmer stirbt (oder gedeiht) nicht ausschliesslich, weil zuwenig (oder ausreichend) Blut— spreche Geld — durch die Venen fliesst, die unter der Herrschaft von Venus liegen, sondern weil das Herz — sprich Sonnenkraft — nicht (oder doch) ausreicht, oder weil der Mond — sprich Verdauung — gestört (oder in Ordnung) ist. Die Aussage, mein Unternehmen geht in Konkurs, wenn ich nicht innert zwei Wochen eine Kapitalspritze bekomme, ist vergleichbar mit der Aussage, ich werde innert zwei Wochen sterben, wenn mir die erforderliche Arznei für mein Symptom nicht verabreicht wird. Entweder enthalte ich Heilkraft, die durch eine zeitgemässe Einnahme der Arznei aktiviert werden kann, oder die Heilkraft ist zur Zeit nicht gegeben, in wessen Fall keine Menge von Arznei taugt. Wer als Unternehmer tätig ist, weiss wie ein ordentlich geführter Kleinbetrieb durch einen kräftigen Zufluss von Kapital auf Konkurs hinsteuern kann. Kaum erhält dieser Betrieb die zusätzlichen Mittel, geht er zugrunde,weil ein Unternehmer, der auf Sparflamme zu leben versteht, nicht immer fähig ist, mit der grösseren Aufgabe zu wachsen. Was seinem Wesen nicht entspricht, ist durch keine Geldmenge gutzumachen.

 

Analog jeder Mangelerscheinung im Körper, spricht man von Mangelerscheinungen in der Ökonomie. Insofern man Mängel als Krankheitsbilder betrachtet, gedenke man der Maxime von Paracelsus (im Elf Traktat): “Man muss drei Dinge wissen: des Himmels Kraft, die irdische Natur und drittens den Mikrokosmos.

 

Wie bei vielen Erkrankungen, gibt es auch in der Ökonomie kosmische Gegenpole: ein Zuviel (Jupiter) oder ein Zuwenig (Saturn), einen Stau (Mond) oder ein Fieber (Mars). Analog der Bildung eines Geschwürs, ergeht es bei der Verfaulung oder Verdörrung der Frucht: zu viel oder zu wenig Regen, oder zumindest nicht das richtige Mass in tempore opportuno. Der Leser kann mir erwidern, mit dem Zuviel kann ich leben, mir ist nur das Zuwenig vertraut. Auch mit dem Fieber kann ich kutschieren, der Stau hingegen bringt mich um. Diesem Einwand ist am besten durch Einhaltung der Proportionen beizukommen, nicht mit der Giesskanne.

 

Nach alter Erkenntnis, hat jede “Geburt”, auch die Gründung eines Unternehmens, ihre Bestimmung. Entsprechen Wille und Vorstellung nicht dieser Bestimmung, die manches hervorruft und anderes nicht gewährt, ist unsere Mühe umsonst. Keine Menge von Geld, Erdöl, Atomkraft, Medikamente oder Bomben können bewirken was der Bestimmung zuwiderläuft. Aber das Zuviel, das verschleudert wird, führt zur Erschöpfung, sowohl individuell wie kollektiv.

 

Wir leben in einer Zeit, wo die Proportionen nicht mehr eingehalten werden, den die Vielfalt neuer Erfindungen, und damit die Beschleunigung des Lebens stimuliert die Lust zum Abenteuer und führt zur Hochmut von Prometheus, der sich 1995-2003, symbolisch als Uranus in Wasserman, nämlich im Zeichen der neuen Wissenschaften, austobte. Gewiss ist das Machbare nicht aufzuhalten, denn der Mensch strebt ständig nach Neuland. Aber die Proportionen werden durch schmerzhafte Konkurse wieder hergestellt und die Rhythmen der Planeten lassen sich nicht wegdenken. 

 

Es wurde hier erwähnt, laut Paracelsus sei die Zeit der Gewinnung einer Arznei ausschlaggebend für die Wirkung. So ist es vermutlich auch beim Geld, insofern dieses Geld heilbringender Ursprungszeit ist. Er schreibt zum Beispiel (siehe Herbarius): “Die Nieswurz soll bei Fallsucht bei abnehmendem Mond genommen werden, im Zeichen der Waage, die zu dieser Krankheit am besten passt und im Planeten Venus im Schatten des Südwindes getrocknet wird.” Paracelsus spricht nicht von Kausalität, sondern von der Übereinstimmung der Zeitqualität zwischen Gewinnung, Applikation und kosmischer Natur der Krankheit. Beim Geld, im Gegensatz zur Arznei, wird man die Zeit der letzten Gewinnung nur in seltenen Fällen feststellen und abgrenzen können. Es lohnt sich aber zu beobachten, ob der Einsatz von Geld heilsamen Ursprungs wirksamer ist als andernfalls. Zumindest kann diese Überlegung einem verleiten, mit Geld achtsamer umzugehen und den Spruch einverleiben: auri ex igne est coagulata (Paracelsus, Archidoxon), den ich poetisch übersetzen würde: Geld ist geronnener Geist.

 

Gleich wie ein Unternehmen, eine Stiftung, eine Institution, deren Gründung nicht bei günstiger Zeitqualität für ihr geplantes Vorhaben statt gefunden hat, erfolglos bleibt, eben so kann Geld, das auf Grund des Wollens oder des Müssen, aber freudlos, ohne auf den kairos der Stunde zu achten, ausgegeben wird, sein Ziel verfehlen. Und genau so kann auch Geld, dass durch Hinterlistigkeit, Täuschung, Vergiftung oder Tötung erworben wird, wenig ausrichten, und sogar bei gemeinnützigen Vorhaben mehr Schaden als Segen bringen.

 

Über das Verhältnis von Chancen zum Risiko kann uns die Wirtschaftslehre, mit ihrer Statistik, nicht aufklären; die kosmologische hingegen bietet brauchbare Bilder. Sie kauften neulich ein Stück Land: Ihr Schnittpunkt-Handschlag Horoskop zeigte fast alle Planeten, eingeschlossen Herrscher des Aszendenten, im Westen, das heisst auf der Du-Seite. Die Macht lag beim Verkäufer — er haute Sie über die Ohren. Eine Bank fusioniert: zur Zeit ihrer Gründung hatte sie einen guten Jupiter in Verbindung mit Pluto. Bei einer starken Verbindung vom Radix Jupiter mit Transit Pluto und vom Radix Pluto durch Transit Jupiter, findet die Fusion statt. Es geht ja bei dieser Kombination um Streben nach Führung und finanzielle Macht. Eine anfänglich gut dotierte Stiftung für Bildung wurde gegründet: an der Spitze des Geldhauses stand Uranus, was unerwartete Schwankungen verhiess. Jupiter im Quadrat zum Mondknoten und in Opposition zu Mond und Mars zeigte, dass es der Leitung nicht gelingen wollte, mit Geldgebern umsichtig umzugehen. Diese Stiftung konnte nur einen Bruchteil ihrer Aufgabe erfüllen. Ein strebsamer Kaufmann finanzierte einen Restaurationsbetrieb; das Geld ging aus und er brauchte dringend einen Partner. Sein 7. Haus (Bereich der Partnerschaften) ist schlecht bestellt und dessen Herrscher ungünstig verbunden. Er wurde dreimal mit leeren Versprechen hingehalten. Aber sein Geldhaus ist intakt: er fand einen Abnehmer, der ihn auszahlte, und machte nicht pleite. Einem jungen Anwalt gab man den Rat, nie zu spekulieren (er könne im 35. Lebensjahr seine Erbschaft verspielen). Ob ich diese Ansicht teile? Ich sah, seinen Mond, als Herrscher des 5. Hauses (Bereich der Spekulation) im 2. (Geldhaus), in Opposition zum Neptun im 8. (Haus der Erbschaft) und im Quadrat zum Merkur im 5. (Haus der Spekulation).Die Gefahr der Selbsttäuschung bei Finanzen war gegeben. Aber zugleich war das eine Herausforderung, diesbezügliche Rechtsfälle mit Brilliance zu analysieren. Jedermann hat seine Geldgeschichte; wie er geneigt ist, damit umzugehen, sieht man, ähnlich wie unsere Fähigkeit, zur gegebenen Zeit auf bestimmte Arzneien anzusprechen oder den passenden Arzt zu finden, im Firmament. Es lese, wer lesen kann, und bleibe Skeptiker, wer dazu geneigt ist.

 

Hier ist der Mensch weder vorprogrammiert noch seelisch determiniert. Paracelsus sagt in seinem Volumen Paramirum: “Wenn ihr oft und wohl erklärt, dass der Mensch sein Glück und seine Geschicktheit von den Gestirn habe, … legen wir das so aus: das Glück kommt aus der Geschicktheit, und die Geschicktheit kommt aus dem Geist. Je nachdem, was ein jeglicher Mensch für einen Geist hat, darnach ist er geschickt zu einem Ding, darnach hat er Glück. Damit ihr diesen Geist versteht, er ist wie ein archeus” . C.G. Jung würde sagen, wir verhalten uns wie die Archetypen in der Mythologie. Und diese Archetypen, in reiner oder Mischform, die wir sind, und die wir auch bewusst oder unbewusst ausleben, erklären unser Verhalten. Wir sprachen vom “Geldhaus” im Horoskop; das ist aber auch im weitesten Sinn der Bereich der Werte. Was bestimmt den Wert einer Sache? Es antwortet der Ökonom: Was man bereit ist, dafür auszugeben. Hingegen antwortet Paracelsus im Herbarius: “Experienz und Erfahrenheit. Die gründliche Erprobung….die wissenschaftlich exakte Feststellung der Art, des Wesens, der Qualität, so wie die Separation der Tugend, das heisst des Tauglichen, und die Dosierung der Administration”. Gilt der Spruch des grossen Mediziners nur für die Pharmaka, oder auch für Verabreichung von Geld? Ich wage zu vermuten, er gilt für beide.

 

Die Antwort der Ökonomie ist sachlich und zynisch zugleich. Sie lässt nicht zu, dass Werte ideologisch bestimmt werden, was ganz richtig sein mag. Ohne ideologische Kriterien könnte man aber sagen, Wertgebung dürfte voraussetzen: erstens die Kenntnis der Dinge, zweitens das Wissen von deren Bedeutungen, und drittens die Einsicht worum es bei Bewertungen geht. Und diese Kriterien werden meistens nicht erfüllt. Der Entwicklungshelfer Pierre Pradervand versuchte den Einwohnern eines Dorfes in Mali klar zu machen, sie hätten mit dem Geld, das sie im vergangenen Jahr verrauchten, 80 Schubkarren kaufen können. Die Leute haben geraucht, weil sie, der Reklame erliegend, so sein wollten wie “reiche Amerikaner”. Man wusste nicht, rechnete nicht, sinnte auch nicht darüber nach, man würde jetzt keine Lasten auf den Schultern tragen müssen, hätte man das Geld für Schubkarren, statt für Tabak, ausgegeben. Man würde aufrechten Ganges laufen, und sich nicht wie ein Kuli krümmen. Und diese mechanischen Helfer hätte man nicht nur für ein, sondern für mehrere Jahre.

 

Mir sagte der renommierte Ökonom François Perroux kurz vor seinem Tod: der freie Markt sei eine Illusion, denn er setzt voraus, die Beteiligten verfügen über ein Wissen, das ihnen in Wirklichkeit fehlt. Aber nicht nur dem afrikanischen Dorfeinwohner fehlt dieses Wissen. Wer vor der Eisenbahn-Krise von 1907 das amerikanische Schienennetz ausbaute dort wo sich Fuchs und Haas auf ewig Gutnacht sagen, wer sich wie die grossen Telekom Firmen vor zwölf Jahren überschuldet, um Produkte zu entwickeln, für die es noch lange keine Käuferschaft gibt, hat über Werte nie genügend nachgedacht. Ebenso wenig denken über die tiefere Bedeutung von Werten Menschen, die die Agrarwirtschaft bis zum Grad technisieren, wo der restliche weltweite Bauernstand verarmt und, seines Könnens und Wissens beraubt, seine Autonomie verliert (siehe Majid Rahnema — La Richesse des Pauvres, Fayard, Paris 2001).

 

Der Einwand, es komme mit jedem gewaltigen Innovation Schub eine momentane Unausgeglichenheit der Wertskala, schiesst daneben: jede grosse Innovation löst eine unwiderrufliche Umwälzung aus; über Werte lässt sich daher am leichtesten in ereignislosen Zeiten diskutieren. Man merke sich, wie es in der Aussage LVII im Tao- Tö-King heisst: ”Je mehr Verbote, desto zunehmender die Verarmung. Je zahlreicher die nützlichen Geräte unter den Leuten, desto mehr Unruhe für Dynastie und Land. Je erfinderischer die Handwerker, desto grösser die Herstellung bizarrer egenstände. Je mehr Verordnungen, desto mehr Diebe”. Wir Europäer leben aber von der Illusion des Fortschritts, denn gemäss unserer Überlieferung sind wir in Sünde geboren und werden im Fortschreiten erlöst, wozu uns das Schuldgefühl als Triebfeder dient. Das

vor-maoistische China lehrte hingegen: “Die Natur des Menschen ist gut”. Das ist der erste Satz des ersten Buches, das in die Hand eines jeden Kindes in China gelegt wurde, das zur Schule ging (siehe Ku Hung-Ming — Der Geist des Chinesischen Volkes, Eugen Diederichs in Jena, 1924) Diese Sicht der Dinge, fügt der Autor hinzu, wurde 2500 Jahre lang (das heisst von Kung Fu-Tse ausgehend bis Sun Yat-Tsen) durch den Mangel an Militarismus im europäischen Sinn bestätigt.

 

Ob die Sicht des tauglichen Wertes, wie ich ihn bei Paracelsus verstehe, noch von Belang ist, wage ich zu hinterfragen. Es werden heute unüberschaubare Milliarden verwaltet, verausgabt und manipuliert von Funktionären, die nicht mehr am eigenen Leib erfahren, was es heisst, wenn die Dinge schief verlaufen, bei hohen Verlusten nichts zu verlieren haben und bei Gewinnen beachtliche Summen kassieren. Die Kapitäne zählen heute selten zu den Besitzenden; sie sind die ersten die ein inkendes Schiff verlassen, sogar mit Gepäck. Es schockiert mehr bei den “kleineren” Summen als bei den astronomischen, denn die menschliche Vorstellungskraft reicht meistens nur bis zum Horizont sinnlicher Wahrnehmung. Aber Werte wird es wohl geben, ansonsten uns Orientierungspunkte fehlen. Was die Ökonomie über Wertbildung lehrt ist eine brauchbare Richtschnur, vorausgesetzt es werden dem Nutzen einer strukturellen Änderung oder eines neuen Verfahrens oder Produktes nicht nur die direkten Kosten gegenüber gestellt, sondern auch die Summe des damit zu ertragenden Leids. Wir leben in konzentrischen Kreisen; wird ein Stein in den See geworfen, spürt man den Wellenschlag bis ans andere Ufer. Ein Nutzen, der nicht heilbringend wirkt, ist wie eine Arznei ohne Tugend. Ausgerechnet beim Geld muss die seelische Rechnung stimmen.

 

Auszug aus dem Buch:

Kosmologie des Geldes (Novalis Verlag, Schaffhausen, 2. Auflage 2008)

 

Viel Erfolg mit www.astrologische-gesellschaft.ch

sowie mit herzlichen Grüssen

Beatrice Ganz